Wer hatte eigentlich "Schwein gehabt" ?

Das unverhoffte, unverdiente Glück, jiddisch gesagt: Massel, hat seine ursprüngliche Heimat in Gestalt eines Schweins auf altdeutschen Schützenfesten. Dort waren Ziel und Preise hölzernes und richtiges Getier. Der Sieger, der den Vogel abgeschossen hatte, konnte stolz einen Widder, einen Ochsen oder ein Pferd nach Hause führen. Der schlechteste Schütze hingegen bekam als Trost- und Spottpreis ein Schwein oder ein Ferkel, das er unter allgemeinem Hohn in die Stadt trieb. Das hatte Anklänge ans Spießrutenlaufen und war für den Betroffenen durchaus keine heitere Angelegenheit. Einmal allerdings daheim angekommen, konnte der gute Mann dann aufatmen: schlecht geschossen, aber Schwein gehabt ...
(Quelle: Brockhaus Kalender)

Das größte Schützenfest der Welt?

Das größte Schützenfest der Welt wird jedes Jahr in der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover gefeiert. Wie jedes Jahr findet Anfang Juli das Schützenfest mit dem längsten Schützenausmarsch der Welt statt. Allein der Einmarsch der Kolonne auf den Festplatz dauert -je nach Bedingungen- etwa 5 Stunden. 10 Tage lang von Freitag bis Sonntag (früher waren es sogar drei Wochen) kann man jetzt auf dem 10 ha  großen Schützenplatz in Hannover Spaß haben und feiern. Auf dem Schützenplatz befinden sich über 260 Schausteller, darunter 5 große Festzelte mit täglich wechselndem Programm und zahlreiche kleinere Zelt- und Gastronomieanlagen. Rund 1,5 Millionen Besucher tummelten sich auf dem 484. Schützenfest 2013 auf dem Festplatz - 200.000 mehr als 2012. Das Schützenfest Hannover ist das einzige Volksfest in Deutschland mit einem eigenen Radiosender. Das "SchützenfestRADIO" sendet elf Tage lang täglich rund um die Uhr live aus einem Studio in einem Festzelt. Dabei wird die Eventradio-Frequenz 100,0 MHz genutzt. Übertragen wird das Programm auch als Internetradio.

Neusser Bürger-Schützenfest

Das Neusser Bürger-Schützenfest ist das Schützenfest der Stadt Neuss am Rhein. Es wird jährlich am letzten Augustwochenende ausgerichtet. Mit mehr als 6.750 marschierenden Schützen und 1200 Musikern ist es zwar kleiner als das Schützenfest Hannover, gilt aber als das weltweit größte Schützenfest, das von einem einzigen Schützenverein organisiert wird und bei dem keine Gastzüge aus anderen Städten teilnehmen. Im Jahr 2009 wurde die Rekordzahl von 6797 Marschierern erreicht. Das Schützenfest ist mit seiner Königsparade, den Festzügen, dem Königsschießen sowie etlichen Begleitveranstaltungen ein gesellschaftlicher Höhepunkt in Neuss sowie der näheren und weiteren Umgebung und zieht bis zu einer Million Besucher an. Rekordjahr war das Jahr 2007 mit 1,5 Millionen Besuchern. Auf dem Dach des Neusser Rathauses steht eine Ampel. Diese dient den vielen Schützen zur Orientierung beim Aufmarsch.

Das erste öffentliche Schützenfest

 in Deutschland, bei dem mit Feuerwaffen geschossen wurde, fand 1498 in Leipzig statt. Das so genannte "Fürstenschießen" war das erste deutschlandweite seiner Art, bei dem auch Teilnehmer aus anderen Gebieten des Reiches teilgenommen haben.

Die skurrilsten Bräuche rund ums Schützenfest

In Bad Laasphe wird Freitag Abend der neue König ausgeschossen. Fast wichtiger erscheint aber das Schießen danach - wenn es nämlich darum geht, wer nächster Schnappritter wird. "Da sind mehr Schützen am Schießstand als beim richtigen Schießen", weiß Rudolf Braacht, Ehrenvorsitzender des Laaspher Schützenvereins, aus Erfahrung. Schnappritter sein bedeutet, Narrenfreiheit an den Schützenfesttagen zu haben. Ob Bratwurst oder Bier: Der Schnappritter darf jedem, der gerade etwas gekauft hat, aus der Hand stibitzen - ohne Sanktionen zu befürchten.

Taufe im Mühlenbach

Wie Bad Laasphe haben auch andere Vereine aus der Region ihre ganz eigenen Bräuche. Da wäre die St.-Hubertus-Bruderschaft in Werl-Mawicke. Neue oder gerade volljährig gewordene Schützen erhalten die Taufe im dortigen Mühlenbach. Die Figur Neptun begießt den Neuen mit einer Kelle Mühlenbachwasser, dieser legt sich nachher noch einmal komplett in das heimische Fließgewässer.
Die St.-Georgs-Schützenbruderschaft Meschede feiert ein Freibierfest - daher gibt es dort mit 0,1 Liter die wohl kleinsten Gläser. Ein ebenfalls erfrischendes Ritual pflegt die St.-Sebastian-Bruderschaft in Alme bei Brilon: Dort waten die Schützen durch den Fluss, der den Ort in Nieder- und Oberalme trennt. Allerdings erst nach dem Vogelschießen, wenn Zielwasser doch eigentlich nicht mehr benötigt wird.